Die Akzeptanz der Wirklichkeiten

Manchmal sind die Dinge aber einfach schwarz oder weiß, da gibt es nichts zu diskutieren, dachte ich oft.

Und vielleicht denke ich das immer noch manchmal, und manchmal, trifft es auch zu, finde ich.

Aber in der Regel ist es doch so.

Wir sind wir und er ist er und sie ist sie.

Jeder ist das, was er sieht, fühlt, denkt, träumt, was er sich wünscht und wovor er sich fürchtet. Wir sind das Ergebnis einer Vielzahl an Momenten voller Glück, Hoffnung und Schmerz. Und das macht aus, was wir sehen. Das macht aus, was für uns wahr ist.

Es ist nicht immer schwarz oder weiß. Es ist zu leicht, immer nur mit „ja“ oder „nein“ zu antworten. Meistens ist da noch so viel dazwischen, was zu berücksichtigen ist.

Jeder hat seine Wirklichkeit und auf diese Weise, ist auch jede Wirklichkeit wahr. Das muss man sich stetig ins Gedächtnis rufen, bevor man zu voreilig die Wahrheit eines anderen an den Pranger stellt.

Es ist nicht unsere Aufgabe, das Urteil über andere Wirklichkeiten zu fällen.

Es ist vielmehr unsere Aufgabe, die Wirklichkeit eines Anderen zu akzeptieren.

Akzeptanz bedeutet nicht richtig oder falsch.

Es bedeutet einfach nur, Akzeptanz.

Die Akzeptanz einer anderen Wirklichkeit ist der erste Schritt in Richtung Frieden.

Selbst dann, wenn die Wirklichkeit eines anderen, Krieg bedeutet.

Be different und so

Wir sind alle unterschiedlich und das ist auch gut so.
Ich glaube, ich fände es auch echt anstregend, wenn es nochmal Jemanden wie mich gäbe.
Ich hab‘ schon genug mit mir zu tun und das reicht vollkommen.
Also, es ist gut unterschiedlich zu sein.
Ich find’s wirklich super!

Jeder Werbespot schreit uns entgegen, wir sollen anders sein als all die anderen!
Wir sollen so individuell und außergewöhnlich und speziell und besonders sein, wie sonst kein anderer!

Okay, alles klar.
Ich bin absolut werbungsresistent und ich habe auch seit einigen Jahren den Fernseher endgültig aus meinem Alltag verbannt. Genauso wie das Radio. Und die Zeitung.
ABER verschont bleibt man ja nie so ganz, im Gegenteil.
Youtube UNTERBRICHT ja mittlerweile sogar die Clips um uns irgendeine belanglose Werbung ins Hirn zu prügeln und man MUSS sie sich angucken, denn überspringen ist ja nicht immer drin.
Spotify geht mir total auf den Sack und von Facebook fange ich jetzt gar nicht an
Also bleibt man ja nicht wirklich verschont.

Okay, also, ich soll so super anders sein, als alle anderen.
Aber es ist doch so: Wenn’s alle machen, sind sie ja doch wieder alle gleich, oder?

Ich fahre an einer Bushaltestelle vorbei und sehe einen Haufen von Menschen, die alle gleich aussehen.
Alle haben verrückte Klamotten an, eine Mischung aus 80er, 90er Jahren mit einem Hauch von Omastyle und verrückte, abgefahrene Frisuren (Find ich toll! Ich kann nur zwei: Haare offen, Haare zu).
Alle sollen so unterschiendlich sein und möglichst verrückte Sachen tragen und ein bisschen wasted aussehen und müde und schick und sexy zur selben Zeit.
Das ist doch anstregend!

Die Message sollte doch eigentlich eine ganz andere sein:
Sei doch einfach du.
Einfach du. Du halt. Ohne etwas von anderen sein zu wollen, denn dann bist du eben weniger du.
Ich verstehe, dass es nicht leicht ist, bei dem Druck, den die ganzen Medien in unsere Hirne verbreiten wie eine Seuche.
Bleib‘ doch locker und sei du.
Ein Anderer ist niemals so wie du, wenn du du bist.
Es sei denn, du bist wie er, dann seid ihr gleich.

Wir sind ja auch alle gleich, aber am Ende doch anders.
Und DAS ist doch das Schöne.



Shiny Happy People

„Was gehen sie mir auf die Nerven: Diese Menschen, die immer lächeln.
Meine Güte, was nerven die mich!
Dieses breite Lächeln, vom linken zum rechten Ohr.
Bah!
Diese Menschen lächeln IMMER:
Es scheint als gäbe es keine andere Gefühlsregung in ihrem Leben.
IMMER sind sie glücklich und zufrieden und positiv und hell und bunt und gelassen und fernab von irgendeinem negativen Gedanken.
Mann, was geht ihr mir auf den Sack!
Es regnet und ihr strahlt wie ein Sonnenschein.
Die Welt geht unter, aber nicht für euch: Ihr seht immer das Positive, selbst da, wo es wirklich schwer fällt.
Scheiße ist auch manchmal einfach scheiße! Seht das doch endlich ein und hört auf, mir euer ignorantes Lächeln ins Gesicht zu prügeln“

, dachte ich so.

Und dann wurde mir bewusst: Ich beneide euch.
Wie schön muss es sein, immer etwas Gutes zu sehen.
Wie schön muss es sich anfühlen, immer gelassen genug zu sein, die Dinge zu akzeptieren wie sie sind.
Ich beneide euch um euer permanentes Glücklichsein.
Um eure positive Ausstrahlung, eure positive Kraft und euer verdammtes ganzes positives Leben!

Die Welt hat mich so geschafft, dass ich ganz verlernt habe, wie es ist, unbeschwert zu sein.
Es ist eigentlich nichts Tolles daran, immer einen Schritt voraus zu sein, zu wissen, was hinter der nächsten Ecke lauert und alles kritisch zu hinterfragen und jedem zu misstrauen.
Meine Gesichtsnerven sind ganz starr vom ganzen Grübeln und Denken und Hinterfragen und Misstrauen.
Ich stürze mich so sehr auf die Ungerechtigkeiten, dass ich das Gute manchmal viel zu wenig würdige.

Also ist es eigentlich so:
Eigentlich find‘ ich euch gar nicht kacke –
eigentlich find‘ ich euch echt super!



Der Gastes Missverständnis, Teil 2

Ich lebe zwar noch keine sechzig Jahre, aber wenn ich mir die Geschichten meines Großvaters und die, meiner Eltern anhöre, dann komme ich zu dem Entschluss, dass der heutige Gast sich wesentlich vom damaligen Gast unterscheidet.
Klar, Idioten gibt es immer und überall.
Aber der Umgang miteinander hat sich in vielerlei HInsicht verändert – ich würde es nicht bewerten wollen – aber fest steht, es hat sich verändert.

Ich kann nur von heute sprechen und wie ich und andere Menschen es erleben.
Ich würde allerdings darauf wetten, dass all diejenigen, die im jeglicher Art des Service arbeiten ganz genau wissen, wovon ich spreche.
Und mit dem Begriff „Service“ inkludiere ich jegliche Art von Dienstleistung.

Unser Restaurant öffnet um 18 Uhr.
Man muss sich auch eigentlich nicht dafür rechtfertigen, warum genau das die Öffnungszeit ist.
Selbst wenn die Uhrzeit 18.27 Uhr wäre, dann wäre das genau die Uhrzeit.
Keine Sekunde eher.
Jetzt fragt man sich vielleicht, wieso das so erwähnenswert ist.
Na, weil der Gast sich heutzutage scheinbar rausnimmt zu fragen, warum 18 Uhr.
„So spät machen Sie erst auf?“
Ich gucke in Gedanken auf meine Uhr. Ja, SO SPÄT UND WENN ICH KÖNNTE; WÜRDEST DU ERST UM 20 UHR KOMMEN DRÜFEN!
„Ja, also dann kommen wir um 18 Uhr!“

Gesagt, getan.
Wir sind Mitten in den Vorbereitungen für den bevorstehenden Freitagabend.
Die Tische werden noch gedeckt, die Getränke aufgefüllt, die Kerzen angemacht.
Es ist 17.46 Uhr und Gäste stehen schon vor der Türe.
Ich sag‘ mal so: Würde jetzt draußen die Welt untergehen, dann würde ich die Herrschaften sicherlich hinein bitten.
Aber hey, draußen geht die Welt nicht unter und wir sind nicht aus Zucker.
Also laufen die Vorbereitungen weiter, die Türklinke wird indessen des Öfteren hinunter gedrückt, um zu prüfen, OB SIE WIRKLICH GESCHLOSSEN IST:
Ja, ist sie.
Um Punkt 18 Uhr (wir haben die Kirche direkt nebenan und die Glocken läuten bei halber und voller Stunde) wird die Türe geöffnet.

Was passiert etzt?

Die Gäste stehen in der Türe beklagen sich, dass sie BEI DIESEM WETTER (Ich wiederhole, wir leben alle noch, es gab keinen Weltuntergang) draußen vor der Tür stehen mussten und wir erst um 18 Uhr für sie die Türe geöffnet haben, WENN SIE DOCH FÜR 18UHR RESERVIERT HATTEN!
Das sei unverschämt.

So, jetzt bitte: Wie geht ein normal denkender Mensch mit so viel Frechheit auf einem Haufen um, wenn er doch gleichzeitig in einer Rolle ist, in der Freundlichkeit und ein Lächeln zum Outfit gehören?
Keine zwei Sekunden im Laden und schon wird man von völlig Fremden angegriffen.
Keine zwei Sekunden, der Abend hat ja noch nicht begonnen, und schon gehst du mir auf den Sack!
Was soll das denn? Wie blöd bist du denn?
DU wirst VON MIR bedient – da müsste man doch meinen, dass man sich höflich anstellt.
Immerhn werde ich den ganzen Abend vor deinem Tisch rumtanzen und du möchtest doch, eine GUTE ZEIT haben und unser bevorstehendes, gemeinsames Verhältnis nicht so starten.

Das Telefon klingelt, ich hebe ab.
„Ja, hallo XY mein Name. Wir würden gerne am Dienstag bei Ihnen essen. Ich brauche dafür nicht reservieren, oder?“
Ja, also, was jetzt?
Du rufst an, willst einen Tisch, denkst aber, es sei nicht nötig zu reservieren.
Nehmen wir an, ich gäbe dir jetzt recht und du würdest nicht reservieren.
Du kämest am Dienstag hier an und spinnen wir doch mal weiter, der Laden wäre voll und ich hätte keinen Platz mehr zu vergeben.
Ja, dann würdest du mir doch die Hölle heiß machen!
Und das nur, weil du zwar schon am Telefon warst und nicht reservieren wolltest.

Also bitte du hast dir doch schon die Mühe gemacht anzurufen und mir die Information gegeben, dass du zum Essen kommen möchtest.
Jetzt bist du doch schon am Telefon, in einem Gespräch mit mir.
DANN RESERVIER DOCH AUCH DEN DOOFEN TISCH!


Es ist Sommer, die Terrasse ist eröffnet.
Jetzt kommen Gäste von draußen (Achtung! Diese Information ist sehr wichtig!) ins Restautant rein, um wieder raus zu gehen auf die Terrasse.
„Hallo, dürfen wir draußen sitzen oder wird das zu kalt?“
In Gedanken möchte ich dich nehmen und schütteln. Ganz fest.
Also du kommst gerade von draußen und wirst doch wohl noch wissen, wie das Wetter vor drei Sekunden war und fragst mich zudem nach einem Zustand in der Zukunft, den ich einfach nicht wissen kann
Ich bin nämlich ein normaer Mensch mit normalen Fähigkeiten und Vorhersagen sind nicht meine magischen Künste.
Aber ich kann jetzt schon vorhersagen, dass du mir heute Abend gewaltig auf die Nerven gehen wirst.
Egal, was ich auf deine Frage antworte: ich riskiere ja absolut, dass du dich beschwerst.
Woher soll ich wissen, was das Wetter in Zukunft gedenkt zu tun?
Woher zum Teufel soll cih wissen, ob du schnell, mittel oder langsam frierst?

Vier Gäste kommen rein, ohne Resevierung.
Ihnen wird ein Tisch zugewiesen.
Es ist kurz nach sechs Uhr abends.
„Hallo, wir müssten aber um 19Uhr schon weg sein.“
Puh, wie unentspannt.
Jetzt muss ich ,und natürlich der Koch, schauen obwohl ich noch andere Gäste habe, dass du und deine Truppe hier pünktlich raus kommt.

Ich erlebe solche Situationen und mir wird klar, dass der Mensch gerne die Verantwortung abgibt.
Wenn es regnet, dann ist es die Frau Schuld!
Wenn ich keinen Platz bekome, obwoh ich nicht reserviert habe, ist es die Frau Schuld gewesen!
Wenn ich sagte, ich muss um 19 Uhr weg sein und ich bin es dann nicht, ist es die Frau Schuld !
Aber wenn ich für 18 Uhr einen Tisch reserviere,das Restauant um 18 Uhr öffnet und ich um 18 Uhr hineingelassen werde, dann ist es ja WAS?

Liebe Leute,
habt doch einfach mal ’ne gute Zeit.
Man möchte doch meinen, dass man genügend eigene Sorgen hat – da braucht man doch nicht noch der Wetterfrosch und der Hellseher sein!

Des Gastes Missverständnis

„Der Kunde ist König“, schreit uns jede Werbung ins Gesicht.
Somit wird jedem Gast und solche, die es zukünftig sein werden, ins Hirn geprügelt, dass sie das Sagen haben.
Ihnen wird dadurch suggeriert, dass sie in einem Dienstleistungs- oder Service-Verhältnis die Macht haben und alles zu ihren Wünschen, egal, wie absurd diese auch sein mögen, gestaltbar sein muss.

JEDER, der auf der anderen Seite dieses Schreibtisches sitzt, würde jedem, der das auf diese Weise ausebt, die Augen auskratzen.

Ich bin in einem Restaurant aufgewachsen und habe somit schon sehr früh einen Einblick in dieses Leben zwischen dem Gast und dem Gastgeber haben dürfen.
Ich werde im Folgenden natürlich nicht für jeden Gast sprechen.
Glücklicherweise gibt es noch Menschen, die gerne ausgehen, einfach eine gute Zeit haben wollen und einfach schlichtweg GANZ NORMAL höflich sind und sowas wie Manieren besitzen.
Damit inkluldiere ich auch die Manieren, sich zu beschweren.
Der Ton macht die Musik – das war schon immer so.
Tatschlich scheint es in der heutigen Zeit zu den Tugenden zu gehören, die nichtml annähernd jeder besitzt.

Es geht bei mir schon los, wenn der Gast MEIN HAUS (das Restaurant) betritt und nicht grüßt – kein „Guten Abend“, kein simples „Hallo“, noch nicht einmal eine Zurkenntnisnahme mit einem einfachen blick in meine Richtung.
Da passiert nichts.
Er hat mein Lokal doch erst seit zwei Sekunden betreten und verhält sich schon jetzt wie ein Arsch.
Phase zwei folgt zugleich: Im Normalfall wartet man, bis man einen Tisch zugewiesen bekommt.
Der Normalfall ist allerdings wirklich zu einer Seltenheit geworden, denn der stereotype Gast geht direkt durch das Restaurant und sucht sich einen Tisch selbst aus.
Gehen wir von einem ganz alltäglichen Fall aus:
Es sind zwei Damen, kommen rein, grüßen nicht,, gehen durch die Tische und setzen sich ZU ZWEIT an einen Tisch, der offensichtlich FÜR SECHS Plätze gedacht ist.
Außerdem, steht dort auch noch ein „Reserviert“-Schildchen, in lesbaren Buchstaben auf dem Tisch.
Dass dieses Schild nicht wie wild bllinkt und leuchtet, damit auch ein Blinder es bemerkt, ist auch wirklich ales.
So, jetzt muss ich schon völlig genervt, nach nur insgesamt zehn Sekunden, an den Tisch.
Jetzt kommt Phase drei: Ich stehe am Tisch und werde vollkommen ignoriert.
Okay, ich bin nicht gerade sonderlich groß, trage meist schwarz und keine auffälligen Farben, aber ich bin ein Mensch. Der atmet und lebendig ist. Ein Mensch mit Gefühlen und so weiter.
Ein Mensch eben.
Ich könnte vor ihnen umfallen, einen Herzinfarkt erleiden und elendig krepieren – es würde ihnen nicht auffallen.
Also, weiter im Text: ich stehe am Tisch, sage „Guten Abend“ und werde nicht zur Kenntnis genommen.
Also sage ich nun LAUTER: „GUTEN ABEND“.
Entrüstet und total überrascht werde ich jetzt sogar angesehen.
„Sie können hier nicht sitzen, der Tisch ist reserviert und außerdem auch viel zu groß für zwei Personen“.
Jetzt ernte ich genervte Blicke und Kopfschütteln.
„Achso, ja, dann müssen wir wohl wieder aufstehen“.
Brav, das hast du richtig kombiniert, du blöde Kuh, denke ich.
Ich lächle freundlich und weise ihnen einen anderen Tisch zu.
Im Idealfall halten sie daraufin einfach die Klappe und nehmen Platz.
Wir wissen ja jetzt, dass der Idealfall selten vorkommt.
Jetzt kommen wir zu Phase vier: Der Tisch.
Ich wusste gar nicht, dass ein einfacher Tisch, an dem man sitzt, um zu essen, so viele Nachteile haben kann:
Er ist zu klein, an der Tür zieht es, hinten in der Ecke ist es zu warm, es ist zu nah am anderen Tisch oder zu weit abseits.
Zu denkel, zu hell,die Kerze ist nicht an, die Luft zu feucht, zu trocken, zu nah am Fenster, zu nah der Wand.
Der gefällt der einen nicht, dann der anderen nicht und so dreht sich das für eine ganze Weile.
Während dieses Szenario vor meinen AUgen abläuft, merke ich, wie mein Gehirn einfach abschaltet.
Das passiert doch gerade nicht wirklich.

Um kurz abzuschweifen möchte ich erwähnen, dass ich acht Jahre lang mit Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung gearbeitet habe und diese selbst zu zehnt nicht so anstregend waren, wie diese zwei Tanten gerade.
Im Übrigen: Je nach Beeinträchtigung kann es von Vorteil sein, klare und deutliche AUssagen zu machen.
Es ist leichter, ihnen beispielsweise etwas zum Anziehen rauszulegen, als sie vor einen überfüllten KLeiderschrank zu stellen, der viel zu viele Möglichkeiten bietet.
So sollte man auch mit Gästen umgehen: Man weist ihnen einen Tisch zu und der ist es dann. Finito.

Die Damen haben Platz genommen.
Es folgt Phase fünf: Die Bestellung der Getränke.
Bei den meisten Männern ist dieses ein Leichtes: BIer, Cola, BIer, Cola.
Bei vielen Frauen (es ist einfach Fakt) ist es viel viel komplizierter.
„Darf ich Ihnen schon mal etwas zu trinken bringen?“
Auf diese Frage, kann jetzt so ziemlich ALLES folgen:
„Puh, also, das weiß ich jetzt noch nicht! Ich muss erst einmal in die Karte schauen“ – Auf diese Antwort hin, wird wirklich sehr oft dann einfach nur ein Wasser bestelt.
„Oh, haben Sie Cola Light? Oder Cola Zero? Oder frisch gepressten Orangensaft?“
„Ich hätte gerne ein Radler. Aber bitte mit Pils. Und bitte mit mehr Sprite als Bier.“
„Ich hätte gern eine Weinschorle aber bitte mit nicht so viel Wein und mit Eiswürfeln.“
„Ich hätte gerne einen Latte Macchiato und dazu bitte ein Apfelsaft.“
(Bei solchen Bestellungen bekomme ich allein bei dem Gedanken Bauchschmerzen).
Frauen scheinen oft dazu zu neigen, ein Grundgetränk oder ein Grundgericht vollkommen zu zerpflücken..
Am Ende ist vom Ursprung nichts mehr da.
Ich bringe die gewünschten Getränke, habe schon lange keinen Bock mehr und jetzt geht es zu Phase sechs: Die Essensbestellung.
„Also, ich habe da mal eine Frage….“ – ist oft der eileitende Satz.
„… kann ich den Capricciosa-Salat haben, aber bitte ohne Mais, auf gar keinen Fall Mais, und bitte auch keine Tomaten, absolut keine omaten, aber dafür gerne Anans und Bohnen und das Dressing bitte separat, sonst ist das so matschig“
„(einleitender Satz), wie groß ist die Pizza? Oh, puh, die ist aber groß. Aber gut, dann nehme ich gerne die Vesuvio, aber bitte ohne Salami und ohne Schinken, dafür aber gerne Kapern, viele Kapern, ich liebe Kapern! Ach und können Sie mir die vorher schneiden?“
Wir befinden uns in einem Beispiel mit zwei Damen.
Bei Tischen mit bis zu zehn Damen, kann die Bestellungsaufnahme wirklich lange dauern.
Ich bringe das Essen und beim Abräumen, kann nun auch vieles passieren.
Phase sieben: Feedback zum Essen.
Ich blicke auf LEERE Teller, die so sauber sind, dass man nochmal davon essen könnte.
„Hat es Ihnen geschmeckt, war alles in Ordnung?“
Die Stirn wird hochgezogen: „Ja, also, das war ja jetzt hier nur Eisbergsalat, das fand ich jetzt recht wenig. Ich hätte mir ein bisschen mehr Variation gewünscht. Und das Dressing war jetzt auch nciht so meins, vielleicht kann man ja da in Zukunft etwasNeues anbieten“
Wow – es war ein Salat. Ich wusste gar nicht, dass man so viel zu einem Salat sagen kann.
Dazu ist zu erwähnen, dass dieser Salat seit Jahren mehrmals am Tag bestellt wird – die Meisten scheinen also nicht so ein Problem damit zu haben, also nicke ich einfach höflich und habe schon alles vergessen, was sie gesagt hat.
„Ja, also meine Pizza war on unten verbrnnt!“
„Wieso haben Sie das nicht direkt gesagt? Ich hätte Ihnen ja eine neue machen lassen können“ – „Nein, ist ja schon gut!“
Dann halt doch deine Klappe! Du hast ALLES AUFGEGESSEN, hattest ein Dach über den Kopf und wurdest nett behandelt – halt doch einfach deine Klappe!

Ich nicke und räume ab.

Hinzu kommt, und das finde ich fast am schlimmsten, dass kaum sind sie aus der Türe, werden haarsträubende, übertriebene und teilweise auch wirklich unverschämte Rezensionen geschrieben.

Das ist nur ein miktoskopisch kleiner Einblick, wirklich mikroskopisch klein.
Da ist noch so viel mehr, aber Häppchenweise ist es besser zu verdauen.

„Der Kunde ist König“ bedeutet nicht, dass er tun und lassen kann, was er will.
Es bedeutet viel mehr, dass man ein Ambiente schafft, dass dem Kunden, dem Gast zuspricht und versucht wird, seine Wünsche zu erfüllen.
Wieviele Milliarden Menschen waren wir nochmal auf der Welt?
Lieber Gast, begreifen Sie bitte, dass es schlichtweg UNMÖGLICH ist, auf den Geschmack und die Zufriedenheit eines jeden Menschen einzugehen.
UNMÖGLICH. Unmöglich und außerdem, total in Ordnung.
Wenn von zehn Personen, acht zufrieden sind, ist das ein guter Schnitt.
Also, halten Sie doch mal bitte den Ball flach, genießen Sie einen schönen Abend und hören Sie auf, sich Probleme und Sorgen zu schaffen, wo absolut keine sind.

Alles wird bewertet und so kann wunderbar der Frust rausgelassen werden – aber einem das ins Gesicht sagen: da braucht man nicht hoffen.

Rentner – Lifestyle.

Ich erinner‘ mich noch daran als wäre es gestern gewesen (na ja, so super viel länger ist das auch nicht wirklich her):

Ich war dynamisch, frech, spuckte die größten Töne, war der absolute Klassenclown und ein noch absoluterer Mathe-Loser, konnte saufen wie ein Loch und rauchte eine Schachtel Marlboro (selbstverstndlich die roten) täglich.
Mit mir hing man ab, mit mir hatte man Spaß!
Ich war burschikos, trug viel zu große und viel zu tiefhängende Hosen, Mützen und hatte statt Puppen ein Star Wars – Laserschwert und ein Skateboard auf Lager.
Ich war ein verdammter Superheld, mir passierte nie etwas!
Ich konnte schneller laufen und höher Spucken als alle anderen.
Die Gefahr suchte nach mir und forderte mich immer wieder heraus: zwecklos.
Ich war einfach zu LEBENDIG.
Ich war ein verdammter Fels in der Höllenschlucht – ich war niemals krank, NIEMALS.
Auf mich konnte man sich verlassen – Freitags UND Samstags wurde durchgefeiert – gar kein Ding für mich.
Ich war eine gottverdammte Legende.

Meine Ära schien mit drei-,vierundzwanzg zu enden.
Die ersten Schwächeanzeichen hatte ich schon sicher vorher, als ich nicht mehr so ganz easy an beiden Abenden des Wochenenedes bis sechs Uhr morgens saufen und tanzen konnte.
Ich schaffte es schlcihtweg einfach nicht mehr.
Der Wille war zwar da, wirklich.
Nun habe ich auch ihn verloren.
ich habe ihn eingetauscht gegen diverse Lieferservices, Filme (die ich eigentlich nie ganz zu Ende schaue, weil ich vorher einschlafe), Kochen mit meinem Freund (er kocht, ich esse), Couchabende und das Früh-ins-Bett-gehen.
Statt Party-Urlaub mit den Mädels, würde ich jetzt lieber eine Kreuzfahrt machen.
Ich liebe es auf der Couch zu liegen, ein Buch zu lesen oder nach Rezepten zu schauen.
Ich genieße es richtig, Nichts zu tun.
Verabredungen einzuhalten ist schwer, denn kurz vorher überlege ich mir, dass ich auch ganz gut einfach zu Hause bleiben könnte.
Ich schreibe nun Einkaufszettel und habe so eine Tragetasche, die man für die Einkäufe mitnimmt.
Ich habe meine Rechnungen und Belege in einen dafür angelegten Ordner abgeheftet.
Ich habe meine CDs und Schallplatten alphabethisch sortert und bekomme die Krise, wenn mir Jemand Unordnung in mein strukturiertes Dasein bringt.
Ich besitze einen Regenschirm, den ich benutze, wenn es regnet.
Ich trage im Winter Tops unter den Oberteilen, damit meine Nieren nicht frieren und Winterjacken sowie Winterschuhe besitze ich natürlich auch.
Ich habe meine Zeitschriften sortiert, verwende städnig und immer ein Kirschkern-Kissen, trinke GERNE Fenchel-Anis-Kümmel oder bin manchmal sogar so abenteuerlustigund probiere ganz neue Sorten aus.
Bier trinke ich nur noch selten, fast nie. Das bläht mir so sehr den Bauch auf. Wein ist dafür mittlerweile echt der Hit!
Ich gehe am Wochenende gerne ins Restaurant essen oder ins Kino.
Termine notiere ich mir in meinen Terminkalender.
Ich denke an meine Kontroll- und Vorsorgetermine bei den Ärzten, ohne dass sie mich daran eriennern müssen.
Ich habe in meiner Handtasche alle möglichen Tabeltten dabei, für alle Fälle.
Außerdem stehe ich total auf Naturheilkunde und suche gerne die Heilpraktikerin auf.
Ich besitze Bücher über gesunde Ernährung, Meditation und Psychologie.
Ich gehe schon mal zur Krakengymnastik, weil mein Rücken nach harten siebenundzwanzig Jahren krumm und schief ist.
Ebenfalls besitze ich Hörbücher (bei denen ich auch immer einschlafe).
Erwähnte ich, dass ich gerne einfach auf der Couch liege?
Ich hole morgens die Post aus dem Briefkasten und weiß, an welchem Wochentag welcher Müll abgeholt wird.
Ich weiß, was der Aldi gerade im Angebot hat, weil ich mir manchmal ihre Broschüren nach dem Einkauf mitnehme.
Ich versuche einigermaßen regelmäßig zum Sport zu gehen und laufe Treppen, statt den Aufzug zu nehmen.
Ich esse viel Obst und Gemüse, Fisch und vermeide die tgliche Einnahme von Schokobrötchen und Haribo.

Das Einzige, das sich vielleicht nicht geändert hat, ist neben meinem Musikgeschmack, die Tatsache, dass ich nachwievor erst dann tanken gehe, wenn kaum noch Benzin im Auto ist und ich immer noch keinen Überblick über meine Ausgaben habe(n möchte).

Wer hätte das je gedacht?

Ich kann jetzt darüber Lachen, denn ich weiß, das muss irgendwie der Lauf der Dinge sein.
Das gehört vielleicht einfach dazu und ich finde, es ist absolut okay.

Ich mache immer noch gerne einen drauf, aber danach brauche ich eine Woche Urlaub.
Ich liebe es, Besuch zu bekommen und bin dann doch wieder froh, wenn er weg ist.
Ich lerne nicht gern neue Leute kennen – die, die ich kenne reichen mir.
Ich mache mich nicht mehr hübsch um jemandem aufzufallen.
ich mache mich hübsch um MIR zu gefallen.

Manchmal gefalle ich mir so sehr, dass ich den ganzen Tag einfach im Pyjama verbringe, es nicht schaffe, mir die Haare zu waschen oder den Kajal vom Vortag abzuwaschen – und ich finde es super!

Ich sehe gerne schon mal aus wie ein Eimer und kann mich trotzdem lieben.
Was andere denken, interessiert mich recht wenig und ich bin dankbar dafür, dass es so ist.
Das ist doch sicherlich ein großer Vorzug des Erwachsenseins oder des Erwachsenwerdens.

Ich lebe wie ein Rentner und ich finde es super!




Ich habe mich entschieden, zu entscheiden.

Ich muss gestehen, dass ich niemals zu den Menschen gehören wollte, die sich ständig beklagen.
Beklagen über die schlecht bezahlte Arbeit.
Beklagen über die anrempelnden Menschen in der Schlange an der Kasse.
Beklagen darüber, dass vor Feiertagen die Ausnahmesituation herrscht und Angst vor Hungersnot die Mägen der Menschen regiert.
Beklagen darüber, dass der Fahrer vor mir NIEMALS schnell genug fährt, so dass wir beide über grün kommen.
Beklagen über zu viel Sonne im Sommer und über zu viel Kälte im Winter.
Beklagen über die Kleinkariertheit der Menschen.
Beklagen über das verhungernde Drängeln am BUffet.
Beklagen über Jugendliche, die mit lauter Musik durch die Straßen ziehen und die Zeit vermissen, in der solches Verhalten mit Prügeln bestraft wurde.
Beklagen darüber, dass andere ohne Gefühl von Moral und Gerechtigkeit ein besseres Leben führen als man selbst.
Beklagen darüber, dass man keine Zeit für sich hat.
Dass man eigentlich überhaupt niemals wieder für irgendetwas Zeit hat.
Beklagen darüber, dass die Welt schnell geworden ist und man mit kurzen Beinen und weiten Gedanken stets zehn Schhritte hinterher hängt.
Beklagen darüber, dass die Menschheit vor die Hunde geht.
Beklagen darüber, dass es keine Manieren, keine Höflichkeit, keinen Blickkontakt mehr gibt.
Beklagen über einfach alles und jeden.

Ich wollte niemas zu dieser Sorte Mensch gehören.
Ich wurde so einfach nicht geboren, wurde so nicht in diese Welt gelassen.

Ich halte inne und stelle fest, so werde ich gemacht.

Die Schritte der Welt sind so schnell, dass man stets in Versuchung gerät, mitzuhalten.
Die Stimmen dringen tief in unser Gehör und schallen dort noch lange nach.
Die Medien bestimmen unser Denken, Handeln, ja, sogar unser Fühlen.
Wir nicken und nehmen es hin.
Ich stelle fest, wir werden so gemacht.
Ich stelle fest, so will ich nicht sein.

Ich habe mich entschieden, zu entscheiden.
SELBST zu entscheiden.
ICH entscheide.

Ich entscheide für mich, dass ich akzeptieren muss, dass ich diese Welt nicht verändern werde.
Ich entscheide mich dafür, keinen Wutanfall hinter dem Steuer zu bekommen – und ich bin überzeugt, ich werde alleine dadurch schon zehn Jahre länger leben.
Ich entscheide mich dafür, in der Schlange an der Kasse ruhig zu bleiben und Gedanken der Gewalt zu verdrängen.
Ich entscheide mich dafür, ein Buch zu lesen, statt immer einen Film im HIntergrund laufen zu haben.
ich sntscheide mich dafür, dass mich das sinnlose Gerede anderer nicht mehr tangiert.
Ich entscheide mich dazu, jemandem nicht zu helfen, der nicht geholfen werden möchte.
Ich entscheide mich dazu, Energien nur in Menschen zu investieren, die offen dafür sind.
ich entscheide mich, meine Worte bewusst zu wählen und noch bewusster auszusprechen.
Ich entscheide mich für mich.
Ich entscheide mich für mich und diejeniegen, die ich liebe.
Ich entscheide mich für meine Zeit, meine Kräfte, meine Gedanken.
Ich entscheide.

Die Ketten sind zwar an unsere Hände und Füße gebunden, aber nicht stramm gezogen.
Wir können sie lösen.
Wir müssen uns dafür nur entscheiden.

Eins.

Wie Radiohead in ihrem Song „Creep“ singen: „What the hell am I doing here?“, stelle ich mir auch des Öfteren genau diese Frage und komme zum selben Schluss: „I don’t belong here.“

Gerne hätte ich meinem jüngeren Ich gesagt:
„Werd‘ nicht so schnell erwachsen. Bleib‘ das Kind, das du bist. Denke nicht an das Morgen, sei glücklich im Hier und Jetzt.
Die Welt wird nicht immer ein großer, bunter Spielplatz sein.
Genieße die Farben, die Kratzer am Knie und die Fähigkeit alles das zu sein, was du sein möchtest.
Genieße die Fehlbarkeit und das Gefühl, an einem sicheren Ort zu sein.
Genieße das Vertrauen, die Freude und die Kunst in deinem Kopf. Schau in den Spiegel und speichere die Wege auf deinem Gesicht – die Welt wird so manche Narben hinterlassen. Schau in deine Augen – später wirst du unzählige Geschichten in ihnen wiederfinden.
Sei friedvoll im Herzen und wende die sorgenschweren Laster von deinen Schultern.
Spring‘ Seilchen, eine ganze Ewigkeit und verliere nie das Taktgefühl. Arme die Luft und stell dir vor, wie sie dich mit Leben durchdringt. Glaube an die Unsterblichkeit, daran, unbesiegbar zu sein. Höre niemals auf, deine Umwelt mit Phantasie zu füllen und ihr durch Gelächter neues Leben einzuhauchen. Werd‘ nicht so schnell erwachsen. Werd‘ nicht so schnell groß. Lass nicht so schnell von deiner Spielwelt los.“Gerne hätte ich es gesagt, in der Hoffnung, mehr Zeit Dort zu verbringen als Hier.

Diese Seite ist für Diejeniegen, die das Träumen nicht verlernt haben.
Für Diejeniegen, die daran festhalten, dass das Gute noch irgendwo da draußen ist.
Für Diejeniegen, die das Auge für das Schöne, für das Einfache, für das Lebendige haben.
Füt Diejeniegen, die verstehen, dass die Welt so viel mehr ist, als sie vorgibt zu sein.



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